Du bist Deutschland -Das verschämte Ende einer guten Idee

Aktuelle Analyse Nr. 149 vom 02.02.2006

"Du bist Deutschland" - eine millionenschwere Kampagne, die Ende Januar ihr offizielles Ende gefunden hat. Diese hat in den vergangenen Wochen und Monaten das Land so massiv überrollt, dass man sich dem Slogan kaum entziehen konnte. Ziel dieser millionenschweren Unternehmung war es, den von Depressionen und Zukunftsängsten geschüttelten Deutschen wieder gute Laune und Zukunftsglaube zu vermitteln. 30 Prominente wie Ulrich Wickert, Harald Schmidt, Günther Jauch und Oliver Kahn wollten und sollten helfen, die Lethargie im Lande zu überwinden. Keine Frage: Optimismus und Selbstvertrauen sind für einen Aufschwung und eine bessere Zukunft unerläßlich.

Das Scheitern aufgrund eines unklaren Ziels

Dadurch, dass diese Kampagne durch die Medien selber getragen wurde, fällt die Rückschau - sofern diese überhaupt stattfindet - gezwungen positiv aus. Trotz vieler öffentlicher Sympathiebekundungen: Die Botschaft kam nicht an. Nicht, weil der Konsument sich ihr hätte entziehen können. Nicht, weil der Zuschauer nicht willig gewesen wäre, die Botschaft aufzunehmen. Nicht, weil die Deutschen aufgrund ihrer Geschichte kein positives, ungetrübtes Verhältnis zur eigenen Nation haben - sondern weil die Kampagne zu kurz greift. "Packe an und habe Zuversicht" ist das dort vermittelte Motto - aber warum und mit welcher Perspektive?

Keine Hoffnung auf einen zukünftigen Wirtschaftsaufschwung

Warum hat man nicht mehrere namhafte Unternehmer in einem Spott vereinigt, die den Zuschauern aufgrund gestiegener Gewinne und wirtschaftlicher Expansion glaubhaft neue Arbeitsplätze versprechen? Das dadurch suggerierte Vertrauen, dass der eigene Arbeitsplatz sicher sei und auch für arbeitslose Verwandte, Freunde und Bekannte auch beruflich bessere Zeiten beginnen könnten, hätte Chancen gehabt, die vielfach beklagte lahmende Binnennachfrage zu beflügeln. So wie die Kampagne "Du bist Deutschland" jedoch initiiert war, wurde dieses Signal bewusst nicht gesetzt - leider. Sie apellierte zwar an die Leistungsbereitschaft des Einzelnen - und in einem Nebensatz auch an die Arbeitslosen, dass diese mit ihren Bemühungen zur Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht aufgeben sollten. Sie bot jedoch außer vagen Andeutungen keinerlei konkrete Perspektive und Hoffnung auf eine wirtschaftlich bessere Zukunft.

Wo blieb der Patriotismus?

Die Kampagne bemühte sich in Zeiten der gesellschaftlichen Entsolidarisierung um ein verloren geglaubtes "Wir-Gefühl", verfehlte dieses Ziel jedoch schon im Slogan selber. Nicht ein kollektives "Wir", sondern ein individualistisches "Du" steht im Vordergrund. Niemand muss sich vereinnahmt fühlen, keine Verbindlichkeit wurde geschaffen, keiner musste Angst bekommen, hier würde eine "Völkische Gemeinschaft" neu ins Leben gerufen.

Dadurch bekam diese Kampagne den Makel, dass keinerlei verbindliche Werte demonstriert und keinerlei gemeinschaftsstiftende Grenzen geschaffen wurden. Im Gegenteil: Verzweifelt wird nahezu jede ethnische Minderheit in die Spots einbezogen, damit sich niemand diskriminiert fühlen könnte. „Deutschland ist friedfertig - und Multi-Kulti sind wir sowieso? war die Botschaft. Verdammt wenig!

Es stach ins Auge, dass in der gesamten Kampagne nicht ein einziges Mal die deutsche Fahne gezeigt, gerade zu versteckt wurde. Als symbolischen Gegenpunkt hingegen sprach Xavier Naidoo über diese Fahne vor den Stählen des Holocaust-Mahnmals. Politisch korrekt - wie dieses Deutschland auch gerne in der Welt sein will.

Pompöser Beginn, verschämtes Ende

In orwellscher Einhelligkeit versuchte die geballte Medienmacht in den vergangenen Monaten, Deutschland von seinem mentalen Tief zu befreien. Den verzagten Deutschen wurde volkspädagogisch die Bedeutung von Eigenverantwortung eingehaucht. Das die Initiatoren dieser Kampagne erfolglos geblieben sind, zeigt sich daran, dass in den Medien keine Bilanz gezogen wurde. Erinnern wir uns: Vor wenigen Monaten wurde der Beginn dieser Kampagne in allen Medien besprochen. Die Initiatoren gaben zahlreiche Interviews, die Botschaft wurde von den Sympathisanten gelobt und von den Kritikern verspottet. Und jetzt? Das Ende wird verschämt verschwiegen, die Kampagne wurde in aller Stille beerdigt.

Die Erklärung ist zu simpel: Gerade diejenigen, die Tag für Tag damit ihr Geld verdienen, alles in diesem Land schlecht zu schreiben und sich in den Katastrophenmeldungen stets gegenseitig zu übertreffen, wollten mit dieser Kampagne die von ihnen selbst erzeugte negative Stimmung in einigen Wochen umdrehen - und wundern sich, warum dies nicht erreicht wurde.

(fl)

         
Style:  Standard   Variante   Mobil
Übernachten – Tagen – Feiern
Informationen zur HAUS RISSEN Services GmbH. [Mehr]
National Model United Nations 2009
Du bist Diplomat! Bewerbung für das weltweit größte UN-Planspiel in New York im April 2009
[Mehr]
Jahresthema 2008
Die Vereinten Nationen: Sind sie die Weltregierung oder nur ein Spielball der Mächtigen? [Mehr]


 
Zum Anfang der Seite