Jenseits des Krieges: Israel und die arabische Welt - gemeinsam für den Frieden

Aktuelle Analyse Nr. 160 vom 26.07.2006

Kampf um die zukünftige Ordnung

Jahrzehntelang war die internationale Ordnung von den Großmächten Rußland und den USA, sowie deren Beziehungen zu den übrigen Staaten bestimmt. Die Welt war überschaubar. Nach dem Ende der Bipolarität wird die Weltordnung zunehmend von regionalen Mächten gestaltet. Die Welt ist aufgeteilt in zahlreiche strategische Dreiecke mit politischen, wirtschaftlichen bzw. militärischen Handlungs- und Entscheidungssträngen.

Im Nahen Osten haben sich die regionalen Risiken vergrößert. Das Bevölkerungswachstum, der gesellschaftliche Druck durch die wirtschaftlichen Probleme, die Auflösung der Staatsgewalt durch Terroristen und die Proliferation von Massenvernichtungswaffen verschlimmern sich zunehmend. Neben diesen zentralen Herausforderungen kämpfen die einzelnen Staaten des Nahen Ostens um die regionale Vormachtstellung in der Zukunft.

Israel – Feindbild und Ordnungsgarant im Nahen Osten

Der Sechstagekrieg von 1967 endete für die arabischen Staaten mit einer traumatischen Niederlage. Dieser Schicksalsschlag führte dazu, dass sich die islamischen Staaten ihren traditionellen Wertvorstellungen wieder zuwandten, nämlich dem Islam als einer vollendeten Ordnung für das Leben. Zahlreiche Staaten des Nahen Ostens versuchen die gesellschaftliche Stabilität zu erreichen und die wirtschaftlichen Probleme zu bekämpfen. Die Erfahrung mit der militärischen und wirtschaftlichen Übermacht Israels steigerte die Instabilität der Re-Islamisierung. Europa und die USA werden bis heute bezichtigt, einseitig die Interessen Israels zu unterstützen.

Die Beschreibung von Israel als Feind und Fremdkörper in der Region ist aber von Syrien bis zum Iran die einzige Gemeinsamkeit in der Region des Nahen Ostens. Ansonsten konkurrieren die Staaten entlang des Gürtels von „Greater Middle East“ um die politische Vormacht. Jährlich müssen Millionen Menschen in einer unwirtlichen Landschaft mit wenig Wasser, durch eine rückständige, einzig auf den Handel mit Energieträgern ausgelegte, Industrie versorgt werden. Im Angesicht der wirtschaflichen Hilflosigkeit verschieben sich zur Zeit zahlreiche politische Konstellationen in diesen Ländern.

Die Staaten am Persischen Golf kämpfen für den Erhalt ihrer sozialen Standards. Zu den inneren Problemen kommen zahlreiche Territorialkonflikte, resultierend aus den künstlichen Grenzen, die während der Kolonialzeit gezogen wurden. Konflikte um Ressourcen haben ihre Ursachen in den unterschiedlichen Ansprüchen der Staaten auf Land, Wasser und Öl. Zahlreichen Staaten ist es trotz internationaler Entwicklungshilfe in der Region nicht gelungen, den wirtschaftlichen Aufschwung voran zu treiben. Im Nahen Osten fehlt eine regionale Macht, die Stabilität transportieren würde. Wenn die Ideologie und die gefühlte Minderwertigkeit der Araber gegenüber Israel von den Regierungen überwunden und stattdessen die gegebenen Verbindungen und gemeinsame Interessen aktiviert würden, könnten die Staaten ihre Situation verbessern. Israel könnte helfen und dabei von den eigenen weltwirtschaftlichen Handelsbeziehungen z.B. nach Deutschland, in die USA, die gesamte Region profitieren lassen.

Israel ist der einzige Staat im Nahen Osten, der durch Europa und insbesondere durch die USA uneingeschränkt wirtschaftlich unterstützt wird. Israel hat aufgrund seiner territorialen Lage dennoch ein vitales Interesse mit den Staaten des Nahen Ostens zusammenzuarbeiten, weil es auf die Infrastruktur und die Ressourcen der arabischen Partner langfristig angewiesen ist. Wenn die islamischen Staaten mit Israel pragmatisch wirtschaftlich und politisch zusammenarbeiten würden, könnte Stabilität entstehen. Die Partnerschaft mit Israel war beispielsweise für Jordanien ein erster Schritt in Richtung Westen.

Bisher wird die Stärke der westlichen Moderne im Staat Israel immer in Bezug zur Schwäche des Islam gesetzt. Dieser Ansatz ist destruktiv und wird sich in der Praxis nicht halten lassen. Trotz Bombardierungen im Nahen Osten ist die Chance für ein friedliches Zusammenleben vorhanden. Israel könnte für den Nahen Osten Vermittler auf dem Weg zur Demokratie und Modernität sein.

(st)

         
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