Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstands der „Gesellschaft für Politik und Wirtschaft e.V.“, dem Trägerverein des HAUS RISSEN HAMBURG.
Am 07. September 2007 fand das Jahrestreffen zum 53. Gründungstag des HAUS RISSEN HAMBURG statt.
Vor 53 Jahren wurde das Internationale Institut für Politik und Wirtschaft HAUS RISSEN HAMBURG gegründet. Aus diesem Anlass kamen rund 200 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft, Verwaltung, Militär und Kultur am 7. September 2007 zum Jahrestreffen der Hamburger Institution.
Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstands der „Gesellschaft für Politik und Wirtschaft e.V.“, dem Trägerverein des HAUS RISSEN HAMBURG.
Dr. Michael Otto (Vorsitzender des Kuratoriums), Prof. Dr. Wolfgang Donsbach (TU Dresden) und Georg C. Domizlaff (Vorsitzender des Vorstands) während des Jahrestreffens 2007.
Georg C. Domizlaff, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins Gesellschaft für Politik und Wirtschaft, zog eine positive Bilanz des vergangenen Geschäftsjahrs und stellten den Jahresbericht 2006/07 des HAUS RISSEN HAMBURG vor.
Einen „Teufelskreis der politischen Oberflächlichkeit“ diagnostizierte Prof. Dr. Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler der TU Dresden, bei seinem Vortrag im HAUS RISSEN HAMBURG anlässlich des Jahrestreffens 2007. Die zunehmende Komplexität der politischen Sachverhalte führt dazu, dass in den Medien zunehmend Personalisierung, Skandalisierung und Boulevardisierung vorherrschen. Diese wiederum befördern ein rückläufiges Politikverständnis und ein schwindendes Interesse an Themen des öffentlichen Lebens, was angesichts der stetig wachsenden Komplexität der Sachverhalte den Teufelskreis erneut in Gang setzt. Begünstigt wird dieser Teufelskreis durch die „Drei-Klassen-Informationsgesellschaft“, bei der nur eine kleine Elite in einem hohen Maß die Medien zur politischen Information nutzt, während die etwas größere Klasse der politisch Halbgebildeten zumindest ein oberflächliches Interesse an Politik hat und sich zumindest über Talkshows informiert. Der größte Teil der Bevölkerung gehört inzwischen aber zum „kommunikativen Prekariat“, das politikfern ist und praktisch keine Medien zur Information nutzt. Auch das Internet schließt dabei nicht die Lücke der rückläufigen Lektüre von Tageszeitungen, da es letztlich die gleiche informative Elite ist, die sich über gedruckte und elektronische Medien informiert.
Eine Begleiterscheinung des Teufelskreises der politischen Oberflächlichkeit ist auch eine Veränderung der Politikerpersönlichkeiten, so Donsbach. Da Politiker nur noch um die zehn Sekunden Zeit haben, mit einem Statement Politik im Fernsehen zu erklären, wird die Wirkung der Person wichtiger als der transportierte Inhalt. Diese personalisierte Darstellung spricht aber besonders Menschen mit einer Neigung zur Selbstdarstellung an, die sich dann noch politisch engagieren.
Parallel zum schwindenden Vertrauen in die Politik gefährden jedoch auch medieninterne Entwicklungen selbst das öffentliche Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Nachrichten. Donsbach kritisierte besonders die wachsende Zahl von Tauschgeschäften zwischen Medien und Wirtschaft. Medienpartnerschaften, Werbung gegen PR-Artikel und umgekehrt sowie der Verzicht auf kritische Berichterstattung zugunsten von Werbekunden missbraucht den Vertrauensvorschuss, den Medien noch beim Publikum genießen. Daher seine Forderung: „Baut die Mauer wieder auf!“ – und zwar die Mauer zwischen Redaktion und Anzeigen.
Eine Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Donsbach und Stimmen der Gäste beim Jahrestreffen 2007 hören Sie in unserer Sonderausgabe des Audiocast Politics-To-Go unter http://www.earpaper.de/loudblog/audio/podcast-2007-09-10-49899.mp3 als mp3-Datei.
Informationen zum Hauptredner
Prof. Dr. Wolfgang Donsbach ist Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Öffentliche Meinung, Journalismusforschung, Massenmedien und Politik sowie Medienselektion. Er ist Editor und Chefredakteur des International Journal of Public Opinion Research sowie Vorsitzender des Vereins für Medieninhaltsanalyse. Zudem ist er Vorsitzender des Kuratoriums Bürger fragen Journalisten und Mitglied des Kultursenats des Freistaats Sachsen.