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3.000.000.000.000 US-Dollar: Die wahren Kosten des Irakkrieges

Aktuelle Analyse vom 02.04.2008

Neues Buch analysiert Kriegskosten

Eine Zahl schockiert Washington: drei Billionen Dollar – die wahren Kosten des Irakkrieges. Der Nationalökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat diese Zahl berechnet und in seinem Buch „Der 3-Billionen-Dollar-Krieg“ vorgestellt. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Laut Stiglitz ist der Irakkrieg 60-mal so teuer wie ursprünglich geplant. Die Bush-Regierung habe die gewaltigen Kosten ihrer Intervention vertuscht. Das Buch rüttelt die Öffentlichkeit wach und präsentiert dem amerikanischen Steuerzahler eine Summe, die für Nicht-Mathematiker unvorstellbar ist: 3.000.000.000.000 Dollar. Somit wird der Irakkrieg zum zweitteuersten Krieg der amerikanischen Geschichte –, zehnmal so teuer wie der erste Golfkrieg, ein Drittel teurer als der Vietnamkrieg, doppelt so teuer wie der Koreakrieg und der Erste Weltkrieg. Nur der Zweite Weltkrieg war kostspieliger.

Weißes Haus vertuscht Kosten

„Das Weiße Haus drückt sich um eine Debatte über die Kriegskosten“, sagt Professor Stiglitz in einem Interview. „Die Amerikaner haben ein Recht darauf, über die wahren Kosten informiert zu werden.“ Die erst veranschlagten 50 Milliarden Dollar werden heute in drei Monaten ausgegeben. Pensionszahlungen für die Veteranen und die Pflege der Kriegsversehrten würden den Haushalt besonders stark belasten: Im Irak kämen etwa sieben Verletzte auf einen toten Soldaten. Das sei ein weitaus größeres Verhältnis von Verletzten zu Toten als in früheren Kriegen. 4.000 Amerikaner sind im Irak gestorben, 65.000 wurden verwundet, und 260.000 haben medizinische und psychiatrische Hilfe beansprucht. Etwa 100.000 Soldaten wurden als geistig und psychisch krank diagnostiziert, und eine Viertel Million Veteranen haben eine Kriegsversehrtenrente beantragt. Das seien enorme Kosten für die Veteranenbehörde, die kurz vor dem Bankrott stünde. Viele Hospitäler hätten zu wenig Ärzte und Pfleger; die Verwundeten könnten medizinisch nicht ausreichend versorgt werden.

Krieg als Grund für Rezession

Professor Stiglitz meint, der Krieg sei der Hauptgrund für die Rezession der amerikanischen Wirtschaft: Der Krieg werde durch Neuverschuldungen finanziert; 40 Prozent der Gläubiger kämen aus Asien und Nahost, wodurch Amerika von ausländischem Kapital abhängig werde. Die Ölkonzerne, Rüstungsfirmen und privaten Sicherheitsdienste seien die Gewinner des Krieges. Amerika übertrage Unsummen an die Ölexporteure – an Iran, Saudi-Arabien, Venezuela. Diese Politik subventioniere indirekt die „Achse des Bösen“ – eine Ironie der Geschichte, da Präsident Bush den Iran als „Schurkenstaat“ bezeichnet.

Die gewaltigen Kriegskosten haben die US-Wirtschaft geschwächt: Der Krieg hat öffentliche Gelder von Schulen, Straßen, Forschung und anderen Branchen abgezweigt und das Wirtschaftswachstum gebremst. Das enorme Haushaltsdefizit werde die Wirtschaft langfristig belasten. Der Krieg treibe die Ölpreise in die Höhe und schwäche die Wirtschaft. Für Stiglitz steht fest: Inklusive Zinszahlungen, Kriegsfolgekosten und Nebenkosten könnte die Gesamtrechnung auf 4,8 Billionen Dollar wachsen. Sollten sich die USA schnell aus dem Irak zurückziehen und weniger Tote und Verletzte erleiden, könnte der Krieg nur zwei Billionen Dollar kosten. Doch diese Rechnung, so Stiglitz, beträfe nur die USA. Hinzu kämen die Ausgaben des Irak, von Großbritannien und dem Rest der Welt.

Amerika muss die ganze Rechnung zahlen

„Die meisten Amerikaner spüren die Kriegskosten nicht“, schreibt Stiglitz: „Der Blutzoll wird von einer Berufsarmee bezahlt, die öffentliche Rechnung wird durch Neuverschuldungen finanziert, und Steuern wurden noch nicht erhöht. Die Ausgabenpolitik nährt die Illusion, dass die Gesetze der Wirtschaftswissenschaft ausgehebelt werden. Dies ist ein Trugschluss: Amerika wird eines Tages die ganze Rechnung bezahlen müssen. Und wenn dies geschieht, geht es nicht um Zahlen, die von der Regierung frisiert wurden. Amerika wird den vollen Preis bezahlen.“

Auch Kandidaten sind ungenau

Joseph Stiglitz bedauert, dass die Präsidentschaftskandidaten die wahren Kriegskosten nicht klar erkennen. Amerika gäbe 12 Milliarden Dollar pro Monat im Irak aus – 25 Milliarden einschließlich der Folgekosten. Für zwei weitere Jahre müssten die USA 600 Milliarden Dollar veranschlagen. „Amerika trägt 50 Prozent der weltweiten Militärausgaben“, kritisiert Stiglitz. „Wir könnten weniger bezahlten und mehr Sicherheit erhalten. Hierfür muss unsere Politik sinnvoller und vernünftiger werden“. Ein hundertjähriges Engagement im Irak, wie der Republikaner John McCain meint, sei somit sinnlos und werde die Sicherheit der USA nicht stärken.

Dr. Friederich Mielke
freier Mitarbeiter
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