»Global handeln, lokal engagieren: Ein erfolgreiches Familienunternehmen jenseits des Shareholder-Value«

Dieter Schnabel (Vorstandsvorsitzender HELM AG) war Gesprächspartner von Dirk Bergmann (ehemaliger Leiter der Wirtschaftsredaktion im NDR-Fernsehen) beim 4. HAUS RISSEN Forum am Montag, 12. Februar 2007 um 19:00 Uhr

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„Wir haben die Zeit und wir haben die Geduld“

Im Interview mit Dirk Bergmann stellte der „stille Star“ und Vorstandsvorsitzende der HELM AG, Dieter Schnabel sein Unternehmen vor. Dass die Globalisierung nicht das Ende erfolgreicher Familienunternehmen sein muß, machte Dieter Schnabel beim 4. HAUS RISSEN Forum deutlich und erläuterte den Werdegang und den Erfolg des Unternehmens.

Das 1900 von Karl Otto Helm gegründete Unternehmen wurde 1950 von Hermann Schnabel übernommen und spezialisierte sich auf Chemiehandel. 1984 übernahm dann Dieter Schnabel den Vorstandsvorsitz von seinem Vater, der aus der Firma inzwischen die bereits erfolgreiche Helm AG gemacht hatte. Seit diesem Zeitpunkt ist Dieter Schnabel verantwortlich für den momentan größten Chemiehändler weltweit. Die Helm AG erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 5 Milliarden Euro und ist mit 31 Standpunkten in aller Welt international präsent.

 

Da jeder Händler davon träume, Produzent zu sein, stieg auch die Helm AG in die Produktion ein. Dieter Schnabel erläuterte die Wichtigkeit, dahin zu gehen, wo die Rohstoffe sind. Da Trinidad und Tobago über Gasvorkommen verfügt, beteiligte sich das Unternehmen an Produktionsbetrieben für Methanol in diesem Land. Weitere Beteiligungen in Oman und Saudi Arabien seien im Aufbau.
Jedoch solle der Schwerpunkt des Unternehmens auch in Zukunft auf dem Handel liegen: „Wir sind kein Industrieunternehmen sondern Händler“. Und so bekräftigte der Vorstandsvorsitzende, dass es nur zu Beteiligungen komme, wenn die Vermarktung von der Helm AG übernommen werde.

Ein Börsengang des Unternehmens erachtet Herr Schnabel für unnötig, da es dem Unternehmen und ihm persönlich auch ohne Börsennotierung gut gehe.
„Das macht einen wahnsinnig“, unter dem Druck zu stehen, immer gute Quartalsergebnisse liefern zu müssen. In schwierigen Zeiten sei es wichtig, Geduld zu haben und den Blick für die Zukunft nicht zu verlieren, anstatt immer nur gute Quartalsergebnisse im Auge zu haben: „Wir haben die Zeit und wir haben die Geduld“

In nächster Zeit solle der Vorstandsvorsitz des Familienunternehmens noch nicht in die Hände der nächsten Generation weitergegeben werden. Herr Schnabel gedenke aber, den Vorsitz irgendwann an seinen ältesten von drei Söhnen weiterzugeben, der bereits im Außenhandel des Unternehmens tätig ist. Jedoch wolle man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts überstürzen , denn „mit 62 ist noch lange nicht Schluß“.
1984 übergab Hermann Schnabel den Vorsitz an seinen Sohn und mischte sich fortan nie wieder ein. Selbst im Aufsichtsrat war er, wenn überhaupt, nur als Gast anwesend.
Dieter Schnabel bezeichnete dies als eine große Tat des Vaters, die Macht auf diese Weise abzugeben und bedankte sich in aller Öffentlichkeit bei diesem, welcher auf der Abendveranstaltung auch anwesend war. Dieter Schnabel wisse nicht, ob er die Verantwortung auf die gleiche Art abgeben könne, schließlich gehöre das Unternehmen auch seinem Vater.

Der Vorstandsvorsitzende beschrieb sein Unternehmen, das über eine gute Mischung aus sozialem Engagement für die Angestellten und erfolgreicher Produktivitätssteigerung verfügt. Durch Provisionssysteme, Weihnachts- und Urlaubsgelder, einem Betriebskindergarten und Ferienwohnungen für die Beschäftigten ernte das Unternehmen die Loyalität seiner Mitarbeiter. Davon lebe die Helm AG. Da es nicht genügend qualifizierte Außenhändler im Bereich der Chemie gäbe, müsse das Unternehmen Mitarbeiter motivieren. Auch die Sicherheit der Arbeitsplätze werde wohl bestehen bleiben, da Methanol, eines der Produkte des Unternehmens, Bestandteil von Biodiesel ist, und dieser eine große Zukunft habe.
Die Verantwortung für die kommenden Generationen nehme das Unternehmen wahr und sehe es somit auch als Aufgabenfeld, auszubilden. Dieter Schnabel erinnerte an die Wichtigkeit, als Unternehmen Ausbildungsplätze anzubieten

Der Standort Deutschland sei für den Unternehmer wichtig, da er bessere Außenhandelskaufleute woanders nicht bekäme. Als Familienunternehmen fühle sich Dieter Schnabel auch in Hamburg gut aufgehoben, sowohl familiär als auch unternehmerisch. Nur wies er darauf hin, dass ein Flughafen mit Direktverbindungen für sein Unternehmen und ganz Hamburg schlichtweg lukrativer wäre. Der Standort Frankfurt imponiere ihm aufgrund des internationalen Flughafens und so bekräftigte er: „Das Hamburger Tor zur Welt endet am Flughafen“

         
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