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Aktuelle Analyse vom 06.02.2008
Barack Obama ist der Sieger des „Super Tuesday“. Er gewann in 14, Hillary Clinton in nur acht Staaten. Clinton führt zurzeit noch mit 100 Delegierten, aber Obama siegte im Süden, im Mittelwesten und Nordwesten. Die Überraschung des Tages: Obama behielt in Delaware und Connecticut die Oberhand, zwei linksliberale Staaten neben New York, der Hauptbasis von Hillary Clinton. Das war vor sechs Monaten undenkbar. Damals galt Senatorin Clinton als unschlagbar. Jetzt kämpft sie um ihr politisches Überleben im US-Präsidentschaftswahlkampf.
Obama mit Rückenwind
Obama hat starken Rückenwind. Seine Aufholjagd ist erfolgreich, weil er immer bekannter wird und viel Geld für den Wahlkampf sammeln konnte. Hillary Clinton ist eine Berühmtheit, Barack Obama noch nicht. Er muss sich erst auf der nationalen Bühne durchsetzen, was ihm zunehmend gelingt. Der „Jungdynamiker“ verspricht eine neue politische Richtung, einen Wandel, den viele Amerikaner herbeisehnen. Und er ist ein fast unbeschriebenes Blatt. Ihn bedrohen „keine Leichen im Keller“, die Hillarys Wahlkampf beschädigen. „Neu und verbessert“ ist ein typischer amerikanischer Werbeslogan: Obama ist beides – „new and improved“. Ähnlich unbekannt und unverbraucht waren Jimmy Carter 1976 und Bill Clinton 1992. Beide Ex-Präsidenten gewannen als dynamische Außenseiter, die das Washingtoner Establishment aufmischten. Jetzt spielt Obama diese Rolle. Je länger dieser Wahlkampf dauert, desto stärker wird Barack Obama.
Hillary Clinton gewinnt „ihre“ Staaten“
Clinton siegt bei den Frauen, den Latinos und in „ihren“ Staaten - New York, Arkansas und Kalifornien. In Arkansas war sie First Lady, New York ist ihr Heimatstaat als Senatorin. Dennoch waren die Siege in New York und Kalifornien knapper als erwartet. Obamas Aufholjagd zeigte sich hier besonders erfolgreich. Inzwischen hat Hillary Clinton ihr Pulver fast verschossen: Die meisten „ihrer“ Staaten und Staaten mit hispanischer Mehrheit haben gewählt. In den verbleibenden 24 Staaten hat Obama beste Chancen, seine zunehmende Bekanntheit und Beliebtheit auszuspielen.
Die Rolle der Rasse im Wahlkampf
Die US-Vorwahl 2008 zeigt die wichtige Rolle von Rasse und Geschlecht in der Politik und Gesellschaft Amerikas. Die Latinos wählen Hillary Clinton, weil sie Obama aus rassischen Gründen ablehnen. Amerikas Städte sind oft rassisch getrennt: Latinos und Schwarze leben in eigenen Stadtteilen. Oft herrscht gegenseitige Antipathie. Während Barack Obama im schwarzen Süden – in Georgia und Alabama – bis zu 80 Prozent der Stimmen gewinnt, liegt er in lateinamerikanisch geprägten Staaten wie Arizona, New Mexico und Kalifornien hinter Clinton. Erstaunlich ist, wie konsequent Obama in den „weißen“ Staaten führt – z. B. in Alaska, Colorado, Idaho, Iowa, Kansas und Minnesota. Obama hat in den verbleibenden „weißen“ Staaten beste Chancen - in Vermont, Wisconsin, Nebraska, South Dakota und Montana. In den „schwarzen“ Staaten ist sein Sieg absehbar – in Louisiana, Mississippi, Virginia und Indiana.
Hillary Clintons Wählbarkeit ist umstritten
Der Hauptgrund für Obamas Sieg: Die Demokratin Hillary Clinton ist zu umstritten und gilt als verwundbare Kandidatin gegen den Republikaner John McCain. Ihre Wählbarkeit bleibt problematisch. Viele halten sie für vorbelastet, unglaubwürdig und allzu ehrgeizig. Alleinstehende Frauen werfen ihr vor, eine unwürdige Ehe zu führen und sich nur aus opportunistischen Gründen nicht vom Schürzenjäger Clinton scheiden zu lassen. Sie präsentiere sich als starke und selbstständige Frau, zugleich nutzt sie Bill Clintons Charisma und Beliebtheit im eigenen Wahlkampf. Das sei unglaubwürdig, sagen ihre Gegnerinnen. Die Republikaner würden sich über eine Kandidatin Clinton freuen. Für ihre Gegner gilt Hillary als verwundbar und schlagbar. Ihre „Leichen im Keller“ würden den Endwahlkampf vergiften und das Land erneut polarisieren.
Obamas Sieg ist wahrscheinlich
Barack Obama hingegen kommt ohne Altlasten auf die Bühne. Er nutzt Amerikas Sehnsucht nach Wandel, Erneuerung und Läuterung. Amerika „häutet“ sich alle 10 bis 20 Jahre. Obama blickt in die Zukunft, eint das Land und bringt eine neue Mannschaft nach Washington. Clinton und McCain kommen aus der Vergangenheit. Mit Barack Obama wäre der Sieg fürs Weiße Haus leichter und sicherer als mit Hillary Clinton: Obama ist wählbar – auch bei den Republikanern. Hillary Clinton polarisiert und wird von den Republikanern abgelehnt. Sie hat auch Feinde bei den Demokraten. Republikanische Wechselwähler sind für Barack Obama denkbar, für Clinton nicht. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage im November 2008.
Dr. Friederich Mielke
freier Mitarbeiter
HAUS RISSEN HAMBURG
© 04.12.08 00:52 HAUS RISSEN HAMBURG